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Praxisbericht: Berlin Museum


Die Bezeichnung Berlin Museum wird jedoch kaum noch geläufig sein, weil jeder nur noch vom Jüdischen Museum spricht. Das ist der mittlerweile weit bekannte Bau in der Lindenstrasse 14 in Berlin Kreuzberg.

Man kann darüber philosophieren, ob uns unsere Geschichtsbewältigung nicht auch ohne diesen gigantischen Bau gelingen mag. Mit der gleichen Berechtigung könnte man auch noch ein Hugenotten-Museum errichten. Aber es soll hier um die baulichen Aspekte gehen - speziell um den Altbau, weil ich dort tätig war. Das lief natürlich nicht ganz losgelöst vom Neubau, aber um den kümmerten sich andere.

Der Altbau ist ein historisches Gebäude, welches unter Denkmalschutz steht. Früher beherbergte er ein Amtsgericht und nach der Wende sollte das Berlin Museum einziehen. Infolge politischer Entscheidungen (ob des Senates oder der Claims ist nicht bekannt) wurde die Sache zum Jüdischen Museum umgewandelt.

Architektonisch ist der Neubau zweifelsohne ein Ereignis, damit hat sich der große Herr Libeskind ein Denkmal gesetzt. Ich glaube, hierbei geht es nicht um Geschmack, sondern um "Mainstream": wer nicht ehrfürchtig mitplappert, wird schief und mitleidig angesehen.

Geb` s Gott, dass der einfache Mann in seiner einfältigen Einfachheit die architektonischen Ansprüche und Ideen erkennt und dass ja nicht die gewünschten Wirkungen an simplen Gemütern scheitern. Doch zurück zum Altbau, da geht es weit weniger spektakulär zu.

Um den hat sich Herr Libeskind auch nicht so intensiv gekümmert, außer dass das Gebäude vom Keller bis zum Dach die Geschossdecken aufgerissen bekam, um "ein Void" einbauen zu können. Außerdem wurde das Dach im rechten Flügel geöffnet, um eine riesige Treppenkonstruktion aus Stahl mit dem Kran herein heben zu können.

Die Stahltreppe wurde dann mit Zementplatten so verkleidet, dass sie wie eine Stahlbetontreppe aussieht, weswegen sich ein einfaches Gemüt fragen mag, warum dann nicht gleich Stahlbeton? Aber ich glaube, das ist Architektur und ein kleines Würstchen kommt da einfach nicht mit (auch wenn die Treppe nicht gerade im repräsentativen Bereich liegt, wird das schon wichtig und richtig sein).

Weitere Planungen am Altbau sahen insbesondere das Versetzen von Türen vor und geringe Veränderungen am Grundriss im hinteren Teil des linken Flügels, wegen des Restaurants. Mit Fragen der Restaurierung und Instandsetzung bzw. Sanierung des Bestandsgebäudes hat sich der Architekt weniger befasst. Für solch profane Dinge gab es ja "die Bauleitung".

Links der Altbau, rechts der Neubau. es besteht eine unterirdische Verbindung in Form eines Stahlbetonkellers aus WU-Beton. Im Erdgeschoss des Altbaus rechts ist heutzutage der Museumsladen untergebracht, wo man Bücher, Andenken und Kitsch kaufen kann.

Das Dach erstrahlt hier in seiner rekonstruierten Pracht. Es ist ein Mansarddach auf U-förmigem Grundriss, das einen gewaltigen Dachraum überspannt. Die Eindeckung wurde komplett erneuert, weil im Laufe der vielen Jahre infolge wilder Reparaturen eine Mischeindeckung zustande kam und weil genau die historischen Ziegel heutzutage noch hergestellt werden. Der Hersteller der Ziegel für die rd. 1.900 qm Dachfläche ist stolz auf dieses Referenzobjekt. Es ist eine Biberschwanzkronendeckung mit naturroten Berliner Bibern, ohne Mörtel verlegt. Ein interessantes Detail stellt auch das Gesims zwischen den Mansardebenen dar.

Im Nachhinein fragt man sich, wo die viele Zeit und das viele Geld geblieben ist. Oft ist es so, dass die Größe von Projekten im Abstand der Jahre schrumpft. Vielleicht liegt es daran, dass auch Probleme mit zunehmendem Abstand kleiner werden. Dennoch denke ich gern an den Altbau zurück, weil es eine gewisse Herausforderung war, mit Detailsicherheit und Materialkenntnis aus einer ramponierten Bude wieder ein schönes Haus zu machen.

Leider erkennt man auf diesem Foto die Stuckdetails nicht so genau. Das Dreieck des Frontspießes zu restaurieren, war eine der anspruchsvollen Sachen. In der Mitte ist ein Blattgold belegtes Wappen, das von Stuckelementen umgeben ist. Die Schrägen sind eingeblecht und es sitzen zwei Putten (Mehrzahl von Putto = Engelchenfigur) darauf, was die Abdichtung erst so richtig interessant machte.

Man erkennt einige Details, die sich im rechten wiederholen. Das sind die Gauben und die großen - inzwischen funktionslosen - Kamine. Alles wurde neu eingeblecht, natürlich haargenau nach dem historischen Vorbild. Insider erkennen das Logo der damaligen Rohbaufirma, die an dem Bau Beachtliches vollbracht hat.

Auf dem rechten Foto befindet sich zwischen der ersten und der zweiten Gaube die Fläche, die seinerzeit zum Hereinheben der Treppenelemente geöffnet wurde. Davon gibt es hier leider keine Fotos. Der Kran stand vorn, so weit zwischen die Gebäude rein gefahren wie möglich - die Elemente wurden vom Tieflader auf der Lindenstrasse gehoben und in das Loch im Dach bugsiert. Die Jungs von der Stahlbaufirma hatten ein geschicktes Händchen.

Links sieht man die Mauer mit Toreinfahrt und Plastiken darauf. Auch hier war alles arg in Mitleidenschaft gezogen, recht tiefe Risse durchzogen sämtliche Mauerflächen, es gab viele Feuchteschäden. Links erkennt man die Kante des Nachbargebäudes, danach kam wieder ein riesiger gut erhaltener Altbau, u.a. Dienstsitz des damaligen Landeskonservators. Der hatte ein waches Auge auf das Berlin Museum.

Bei den alten Fenstern, fast durchweg sehr gut erhalten, handelte es sich um Einfachfenster aus Holz. Die wurden alle erhalten, einige mussten aufgearbeitet werden. Erneuert wurde die Verglasung, indem Isolierglasscheiben mit geringem Scheibenzwischenraum rein kamen. Die Scheiben wurden gekittet. Wenn man sich die Fassaden ansieht, erahnt man die Summe der Flächen der recht großen Fenster. Da hatten Tischler und Maler gut zu tun.

Eine der lustigen Episoden: der damalige Chef der Berliner Gerüstbauinnung, Herr I., beschwerte sich mit einem empörten Brief an die Senatsbauverwaltung darüber, dass "wieder mal keine Gewerketrennung bei den Ausschreibungen" erfolgte - dabei hatte der Gute seit drei Tagen das Gerüstbau-LV auf dem Tisch.

Ich danke meinem ehemaligen Bauleitungskollegen, Jochen Höhne, für die angenehme Zusammenarbeit.

Dipl.-Ing. M. Bumann, 2003















So sah mal das Baufeld vor Beginn der Arbeiten aus. Vorn im Zentrum sehen Sie das alte Amtsgerichts- Gebäude. Die Gebäude links davon sind weg. Rechts davon steht jetzt der Neubau des Jüdischen Museums. (Quelle: Kopie von einer Kopie aus dem Bauleitungscontainer)












Skizzen zur zeichnerischen Beschreibung des Gebäudes und der Leistungen. Ohne Dachaufsichtsplan hätte es wohl eher nicht funktioniert und anhand der vorhandenen Ansichten und Schnitte hätte man nicht die Mengen ermitteln können, insbesondere der Grate, Kehlen, Gesimse, Firste.







Details zu den Fenster- und den Gesimsblechen, die es zahlreich und in verschiedenen Ausführungen und Zuschnitten gab. Außerdem gehört zum Anlagenteil des LV ein Auszug aus der Fotodokumentation zur Bestandsaufnahme: Bilder sagen mehr als tausend Worte.

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Der Text zum LV Dachdecker- und Klempnerarbeiten ist entsprechend ellenlang.
Im OG sind es einzelne Fensterbleche, im EG gehen sie in das umlaufende Gesimsblech über.
An solchen Details erkennt man das Ineinandergreifen der Gewerke: hier Klempner und Putzer.

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