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Denkmalgeschützte Gebäude

Ein unter Denkmalschutz stehendes Haus kann viel Freude bereiten und trägt in aller Regel zum Renommee des Eigentümers bei; Pflege und Erhalt bedeuten aber auch die Bereitschaft zur Übernahme gewisser Verpflichtungen. Das Flair des Alten spiegelt Tradition und Geschichte wieder, alte Handwerks- und Bautechniken sind stets gegenwärtig, und in aller Regel besitzen diese Bauwerke einen unvergleichlichen Wohnwert, der nicht selten in starkem Kontrast zu den in heutiger Zeit errichteten, vielfach nicht auf Umwelt, Nachhaltigkeit und Wohnbedürfnisse Rücksicht nehmenden Bauwerken steht.

Auch unterfinanziellen Gesichtspunkten lohnt oftmals der Erhalt historischer Bauten. Steuererleichterungen, staatliche Sparförderung, Förderungen durch Mittel des Sozialen Wohnungsbaus, Zuwendungen aus der Städtebauförderung, Wohnungsmodernisierungs- und Energieeinsparungsgesetzen sowie Zuschüsse und Mittelaus Sonderprogrammen der Öffentlichen Hand oder auch Institutionen, Körperschaften, privaten Stiftungen und Initiativen können dazu beitragen, Mehraufwendungen beim Unterhalt denkmalgeschützter Bausubstanz aufzufangen bzw. zu verringern.

Um fundierte Entscheidungen im Hinblick auf den Erwerb, geplante Umbaumaßnahmen und vorgesehene Nutzungen eines denkmalgeschützten Gebäudes treffen zu können, ist die Kenntnis einiger grundlegender Gedanken, Regeln und Anforderungen des Denkmalschutzes hilfreich.

Denkmalschutz ist definiert, geregelt und legitimiert. Unter "Denkmalschutz" werden in erster Linie die administrativen Maßnahmen zur Erhaltung der Kulturdenkmäler verstanden, insbesondere die Anwendung der Denkmalschutzgesetze (s.w.u.), Inventarisierung und Erfassung der Denkmäler in Listen und Büchern, während "Denkmalpflege" die Bauunterhaltung, d.h. alle praktischen Maßnahmen zur Erhaltung von Denkmälern wie Konservierung (Haltbarmachung von Bauteilen), Restaurierung (Wiederherstellung von Kunstwerken), Rekonstruktion (Wiederherstellung von Gebäuden) und Sanierung (nachhaltige Instandsetzung ) umfaßt.

Zur Definition:

Was ist ein Einzeldenkmal?

Ein Einzeldenkmal (Baudenkmal) ist eine bauliche Anlage, an deren Erhalt aufgrund z.B. einergeschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen, städtebaulichen, volkskundlichen oder technischen Bedeutung ein öffentliches Interesse besteht und die entweder durch Verwaltungsakt oder kraft Gesetzes Denkmaleigenschaft erlangt hat. Auch die Umgebung eines Einzeldenkmals, soweit sie für dessen Erscheinungsbild von prägender Bedeutung ist, darf nicht so verändert werden, dass die Eigenart und das Erscheinungsbild des Denkmals wesentlich beeinträchtigt werden (denkmalschutzrechtlicher Umgebungsschutz).

Was ist ein Ensemble?

Unter Ensemble versteht man eine Gruppe baulicher Anlagen wie z.B. historische Stadt- und Ortskerne, Straßenzüge, Plätze und Gebäudegruppen, bei der nicht jede einzelne Anlage selbst Baudenkmal sein muss, die aber als Ganzes - bei Vorliegen der unter Einzeldenkmalen genannten Voraussetzungen - ein Denkmal darstellen.

Teile des Ensembles können eigenständige Baudenkmäler mit besonderer Ausstattung sein. Der Ensembleschutz zielt auf die Denkmal- und Erhaltungswürdigkeit ganzer Orts-, Platz- und Straßenbilder ab. Der denkmalschutzrechtliche Umgebungsschutz gilt für Ensemble ebenfalls.

Zu den Anforderungen des Denkmalschutzes:

Welche besonderen Anforderungen ergeben sich aus dem Denkmalschutz?

Das traditionelle Aufgabenfeld der Denkmalpflege ist die weitgehende Erhaltung und die wissenschaftlich gesicherte Restaurierung des historischen Bestandes. Dies trifft auf das Einzeldenkmal wie auf Gebäudeensemble gleichermaßen zu.

- bei Einzelbauten

Die Betreuung alter, gerade unter Denkmalschutz stehender Wohnbauten erfordern einen großen Aufwand, insbesondere viel Liebe zum Erhalt des Details und entsprechende handwerkliche Techniken. Soviel wie möglich ist an originaler Bausubstanz zu erhalten, so wenig wie möglich abzutragen und zu zerstören. Nur das Notwendige ist zu sanieren: ,,gesunde" und unzerstörte Materialien verbleiben im Objekt. Befunde sind zu dokumentieren.

Bei einer Neu- oder Umnutzung historischer Gebäude fällt der Zuweisung von Nutzungen, die eine langfristige Erhaltung und Pflege der Gebäude sicherstellen, besondere Bedeutung zu. Hierbei ist zu beachten, dass die weitgehende ldentität der neuen mit den alten Nutzungen den Funktionserhalt eines historischen Gebäudes, Freiraums oder Quartiers erleichtert. Die Denkmalwürdigkeit der Bauten bleibt weitestgehend erhalten, wenn die geänderten bzw. neuen Funktionen den vorhandenen Räumen angepasst werden. Wenn vorhandene historische Bauteile erhalten und auch Raum- und Funktionszusammenhänge gewahrt bleiben, ist aus der Sicht der Denkmalpflege meistens schon eine sicht- und spürbare Verbesserung des Gebäudes zu erzielen.

lm Bereich der Denkmalpflege ist bei baulichen Einzelobjekten folgendes denkbar:

- Handwerkliche Maßnahmen zur Erhaltung und Erneuerung der originalen, historischen
  Bausubstanz durch Restaurieren, Ergänzen und Auswechseln einzelner Bauelemente,
- die teilweise Erhaltung oder die Ergänzung einzelner erneuerungsbedürftiger Bauelemente
  durch neue Bauteile,
- die teilweise Erhaltung der Bausubstanz (2.8. die Erhaltung der äußeren Bauform
  bei Entkernung und neuem lnnenausbau),
- Neubauten unter Wiedervenruendung einzelner historischer Bauteile oder Bauelemente
  alter Häuser (Spolien).

Die Wertigkeit der vorstehend genannten Möglichkeiten ist jedoch stets im Einzelnen
mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden (s.w.u.) abzustimmen.

- beim Ensemble

Die Betreuung denkmalgeschützter Einzelgebäude innerhalb eines Ensembles erfordert die gleiche Behandlung wie oben dargestellt. Das Ensemble selbst ist meist abhängig vom historischen Stadtgrundriss, so dass alle Sanierungsmaßnahmen darauf abzielen, den historischen Stadtgrundriss zu erhalten.

lm Bereich der Denkmalpflege ist beim Ensemble folgendes denkbar:

- Denkmalwerte großräumige Ensembles können in ihrem historischen Erscheinungsbild
  durch Beschränkung von Bausubstanzverlusten und trotz Wandels der Funktionen
  erhalten werden,
- der Abbruch einer Nachbarbebauung zur Hervorhebung von Baudenkmälern sollte
  verhindert werden, ebenso wie die unangemessene Freilegung von Fachwerk, Mauerwerk
  oder anderer Konstruktionen des Baudenkmalselbst,
- die Wiederherstellung maßstabsgerechter Raumfolgen sollte durch die Neubebauung
  freier Flächen gewährleistet sein,
- Baulücken sollten maßstabsgerecht mit Neubauten, deren Flächenbedarf sich an
  einer angemessenen Nutzung orientiert, geschlossen werden. Dabei ist die Umgebungsbebauung
  durch Wahrung der Architekturharmonie und des Maßstabs (,,Bauen
  im Bestand") zu berücksichtigen,
- besondere Stadtansichten, Silhouetten und Fronten sind zu schützen, entstellende
  Neubauten neben Baudenkmälern oder innerhalb eines Schutzbereiches zu verhindern.

Rekonstruierender Neubau und historisierendes Bauen sind keine Aufgabe der Denkmalpflege und sollten auf Ausnahmen beschränkt bleiben; sie sind, wie auch beim Einzeldenkmal, mit den zuständigen Denkmalbehörden im Einzelnen abzustimmen. Dazu gehören auch Maßnahmen wie die teilweise Erhaltung der Bausubstanz (2.8. Erhaltung der äußeren Bauform bei Entkernung und neuem Innenausbau) sowie das maßstabsgerechte Einfügen und Anpassen in die alte Umgebung - d.h., Aufnahme und Neuinterpretation stadtbildbestimmender Elemente auch bei gewandelten Funktionen.

Zuständigkeiten und rechtliche Grundlagen

Wer ist für Denkmalschutz und Denkmalpflege zuständig?

Zuständig sind die unteren Denkmalschutzbehörden in den Stadt- und Kreisverwaltungen, das Landesamt für Denkmalpflege als zentrale Landesfachbehörde, oft auch im Regierungspräsidium, sowie auf ministerieller Ebene die oberste Denkmalschutzbehörde, meist im Landeskultus- oder -bauministerium angesiedelt. Korrespondierend
hierzu sind die Bauaufsichtsämter der Städte und Kommunen heranzuziehen.

Geregelt sind die Zuständigkeiten dieser Behörden und Institutionen per Gesetz.

Bundesweit gibt es keine übergreifende und einheitliche Gesetzgebung über den Schutz baulicher und städtebaulicher Denkmale und über die Förderung von Maßnahmen zur Erhaltung und Rehabilitierung wertvoller historischer Substanz und anderer Maßnahmen zur Orts- und Stadtbildpflege. Denkmalpflege unterliegt der Kulturhoheit der Länder und wird von diesen wahrgenommen.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Angelegenheiten der Kultur und der Medien hat jedoch die Möglichkeit, die Substanzerhaltung und Restaurierung von unbeweglichen Kulturdenkmalen nationaler Bedeutung aus seinem Denkmalschutzprogramm - in Abstimmung mit den Ländern - zu fördern.

Trotzdem gibt es Regelungen zum Denkmalschutz (im weiteren und im engeren Sinne), die im Prinzip in allen Bundesländern relevant sind:

  1. Gestaltungs-, Genehmigungs- und Planungsvorschriften des Baugesetzbuches
  2. Besonderes Städtebaurecht des Baugesetzbuches, insbesondere Regelungen über städtebauliche Sanierungsmaßnahmen
  3. Energieeinsparungsgesetz und Energieeinsparverordnung
  4. Einkommenssteuergesetzgebung
  5. Landesbauordnungen der Länder
  6. Orts- und Gestaltungssatzungen der Städte und Gemeinden
  7. und als spezialgesetzliche Regelung Denkmalschutzgesetze der Länder,
    darin: Inventarisation und Eintragung des Denkmals in eine Denkmalliste

Fragen der Finanzierung von Mehrkosten im Denkmalschutz, die sich durch gesetzliche Auflagen ergeben, werden durch diverse Förderungsmöglichkeiten (s.w.o.) geregelt. Auskünfte über die jeweils im einzelnen zutreffenden Fördermöglichkeiten erteilen die Unteren Denkmalschutzbehörden oder die Landesämter für Denkmalpflege.

Aus: Info-Blätter
der Initiative kostengünstig qualitätsbewusst Bauen
16.5 Denkmalgeschützte Gebäude
ergänzt 06.2004

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