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Initiative kostengünstig qualitätsbewusst Bauen

Dass uns "Initiativen" weiterhelfen, bezweifle ich. Deshalb habe ich mit einem offenen Brief an die Bundesingenieurkammer (E-Mail vom 27. Mai 2002, 11:17) angefragt:

"Wozu soll das gut sein? Ein offener Brief."

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

über 10 Jahre nach Wende und Vereinigung ist die Zeit der Losungen und Initiativen noch nicht vorbei. Anlässlich der Berliner Energietage erfuhr ich von der Initiative kostengünstig qualitätsbewusst Bauen. Zwar habe ich die Broschüre zu Zielen, Inhalten und Partnern gelesen, jedoch ist mir einfach nicht klar geworden, wozu das Ganze gut sein soll. Zwar ist eine soziale Komponente nicht zu leugnen, immerhin werden Arbeitsplätze mit dem Kompetenzzentrum im IEMB geschaffen bzw. erhalten.

Jedoch empfinde ich es als falsch, dass die Bundesingenieurkammer als Partner mitmacht. Ist der Grund, weil "alle" mitmachen? Ich empfinde es angesichts der Zielstellung, kostengünstig und qualitätsbewusst zu bauen als völlig falsch, dass die BIK Partner ist.

M.E. hätte ein Verweis auf die HOAI völlig genügt, gemäß derer ein kostengünstiger und qualitäts- bewusster Planungs- und Bauprozess originäres Anliegen - auch im Sinne des Verbraucherschutzes - ist. Die BIK hätte darauf hinweisen müssen, dass das Gros der Ingenieure und Architekten vg. Zielstellung als Inhalt ihrer Berufsausübung betrachtet und dass das Fahrrad nicht neu erfunden werden muss. Soll sich doch der um kostengünstiges und qualitäts- bewusstes Bauen bemühen, der es bislang nicht vermocht hat. Das hätte die Position der BIK sein müssen.
 
Wer Förderungen und Zulagen reduziert, durch Deregulierung dem Murks & Pfusch Tür und Tor öffnet, zum Teil laut über die Abschaffung der HOAI nachdenkt und im übrigen zusieht, wie infolge staatlich begünstigter Flaute ein als "Marktbereinigung" bezeichnetes Unter- nehmen- und Bürosterben stattfindet, verdient mit solchen scheinheiligen Initiativen keine Unterstützung durch die Kammer.

Außerdem graben solche Initiativen den Ingenieuren und Architekten noch mehr das Wasser ab. Zwar wird seitens des "Kompetenzzentrums" betont, dass 1. keine Rechtsberatung 2. keine Beratung im Sinne der LPh §15 erfolgt, aber wie soll das in der Praxis funktionieren?

Der Bauherr an sich hat recht konkrete Vorstellungen, Probleme und Fragestellungen, da wird wohl mit einer unkonkreten (sprich: neutralen) Beratung kaum eine Erwartungshaltung bedient. Davon abgesehen gibt es tausende Ingenieure und Architekten, die sehr wohl in der Lage sind, kosten- und qualitätsbewusst, umweltgerecht, und innovativ zu beraten und zu planen.
 
Daher meine Frage: wozu soll das gut sein?
Mit freundlichen Grüssen
M. Bumann

Bis jetzt hatten die sehr geehrten Kolleginnen und Kollegen noch keine Zeit für eine Antwort, aber kommt Zeit, kommt Antwort (oder eben nicht). Auch die Baukammer Berlin hatte noch keine Zeit darauf einzugehen, aber ich bleibe optimistisch. Panta rhei.

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