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Verordnetes Energiesparen rechnet sich für den Verbraucher nicht
Gute Wohnungen bald nur noch für die Reichen

Ein ehrgeiziges Klimaschutzprogramm hat die Bundesregierung verabschiedet. Demnach soll der Energieverbrauch in zwei Schritten um jeweils 30 % gegenüber der vorangehenden Stufe reduziert werden. Zur Realisierung des Ziels sind erhebliche Verbesserungen des energetischen Standards notwendig. Die dafür notwendigen Investitionen aber sind so teuer, dass sie sich in überschaubaren Zeiträumen auch dann nicht rechnen, wenn deutlich weniger Energie verbraucht wird. Das ergab jetzt eine Studie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau.

Bereits die Realisierung der ersten Stufe ab 2009 (Absenkung des Energieverbrauchs um 30 % gegenüber 2007) verteuert den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern um 25 bis 47 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei einer durchschnittlichen Pro-Kopf-Fläche von 46 m² im Wohneigentum (LBS Research) sind das für einen Drei-Personen-Haushalt Zusatzkosten von über 4960 Euro. Wird die Immobilie selbst genutzt und nicht vermietet, kommen die Bewohner über Einsparungen an Energiekosten frühestens nach 15 Jahren in die Gewinnzone. Anders ist es bei Mietwohnungen. Hier können die Mehraufwendungen für die verordnete Energieeffizienzverbesserung nicht in vollem Umfang an die Mieter weitergegeben werden. Damit werden Investitionen in neue Mietwohnungen, die durch verschlechterte Rahmenbedingungen im Miet- und Steuerrecht schon jetzt keine sinnvolle Kapitalanlage mehr sind, durch die geplante EnEV 2009 uninteressant.

Gänzlich unwirtschaftlich wird es bei der Umsetzung der zweiten geplanten Stufe der Novellierung der EnEV ab 2012. Die notwendigen Investitionen verteuern den Quadratmeter Wohnfläche drastisch. Die Kosten liegen zwischen 43 und 130 Euro. Für die Wohneigentumsbildung eines Drei-Personen-Haushaltes entstehen dann Zusatzkosten von durchschnittlich 12.000 Euro und mehr. Bei selbst genutztem Wohnraum gleichen sich diese Kosten erst nach etwa 20 und mehr Jahren durch Einsparung an Energiekosten aus, der Mietwohnungsbau wird völlig unwirtschaftlich.

„Vor diesem Hintergrund,“ so Dr. Ronald Rast, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau (DGfM), „entscheidet sich niemand für Investitionen in den Wohnungsbau.“ Rast warnt: „Schon jetzt kommt es bei Wohnraumversorgung speziell im unteren und mittleren Segment zu Engpässen.“ Betroffen sind vor allem Familien mit Kindern, Alleinerziehende und Seniorenhaushalte. „Gute Wohnungen,“ fürchtet Rast, „können sich bald nur noch die Reichen leisten.“

DGfM e.V.
Berlin, 05.05.2008

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Energieverbrauch durch Gesundbeten verringern?
Die rote Strickmütze auf der Litfaßsäule


Um die Zusammenhänge zu verstehen, muss man sie zunächst zur Kenntnis nehmen. Auch wenn dies mit etwas Leserei verbunden ist. So tun sich dem aufmerksamen Leser Dinge auf, die fern unserer realen Welt mit Fakten angesiedelt zu sein scheinen. Gestatten wir uns zunächst einen Rückblick nach November 2007.

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Tiefensee: 50 Milliarden Euro Heizkosten bis 2020 einsparen
Energieverbrauch senken - Klima schonen - Kosten sparen
Bundesbauminister Wolfgang Tiefensee hat heute in Berlin den bundesweit ersten CO2-Gebäudereport vorgestellt.

Tiefensee: "40 Prozent der Endenergie in Deutschland wird für Heizen und Warmwasser in Gebäuden verbraucht, vor allem in Privathaushalten. Von 1990 bis 1996 ist der Verbrauch stark angestiegen. Durch die Modernisierung an den Gebäudeaußenwänden und durch effizienteres Heizen haben wir eine Trendwende geschafft. Insgesamt konnte der CO2-Ausstoß im Wohnbereich von 1990 bis 2005 um 13 Prozent, d.h. um rund 16 Millionen Tonnen, gesenkt werden."

Der CO2-Gebäudereport zeige, "durch energetische Sanierungen und Neubauten können wir in Deutschland bis 2020 bis zu 50 Milliarden Euro Heizkosten sparen", so der Minister weiter. "Konkret heißt das, in einem mit 30.000 Euro sanierten Einfamilienhaus können pro Jahr rund 2.500 Euro Heizkosten eingespart werden. Das zeigt, energetische Sanierung schont das Klima und rechnet sich für alle. Mit der Förderung aus dem CO2-Gebäudesanierungsprogramm helfen wir mit zinsverbilligten Krediten und Zuschüssen, die finanzielle Belastung zu tragen. Mit den Investitionen haben wir im Jahr 2006 rund 220.000 Arbeitsplätze vor allem in der mittelständischen Bauwirtschaft und im Handwerk in Deutschland gesichert und zum Teil neu geschaffen."

Laut CO2-Gebäudereport sind die Kosten für Heizwärme zwischen 1996 und 2006 im Durchschnitt um über 40 Prozent angestiegen und liegen damit deutlich über dem Anstieg der Lebenshaltungskosten.

"Wir brauchen eine Balance zwischen den Interessen der Verbraucher, der Wirtschaft und des Umweltschutzes. Dafür stellen wir jetzt die Weichen. Die Fortführung des CO2-Gebäudesanierungsprogramms mit seinen finanziellen Anreizen ist bis 2011 gesichert. Dazu wollen wir die Energieeinsparverordnung in zwei Stufen ausweiten. Bei Neubauten soll der maximale Energiebedarf gegenüber der geltenden Regelung kurzfristig um 30, mittelfristig sogar um 50 Prozent gesenkt werden. Die Anforderungen an die energetische Qualität bei Haussanierungen wollen wir ebenfalls um rund 30 Prozent anheben. Weiterhin soll der Anteil erneuerbarer Energien bei der Heizwärmeerzeugung erhöht werden. Außerdem fördern wir über den Investitionspakt die energetische Sanierung von sozialer Infrastruktur wie Schulen und Kindergärten."

Bund, Länder und Kommunen beteiligen sich an diesem Projekt mit insgesamt 600 Millionen Euro.

"Mit dem vorliegenden Maßnahmenpaket kommen wir unserem Ziel näher, weniger Energie zu verbrauchen und damit das Klima zu schonen, die Wirtschaft zu stärken und die Ausgaben für die Bürgerinnen und Bürger zu begrenzen. Der CO2-Gebäudereport gibt wichtige Anregungen, die wir in den kommenden Wochen und Monaten in konkrete Politik umsetzen werden", so Tiefensee.

Pressemeldung BMVBS
27. November 2007, Nr:: 363/2007


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Fassen wir kurz die wichtigsten Aussagen - von Fakten reden wir vorsichtshalber erst mal nicht, das soll noch überprüft werden - zusammen:

  • 40 % der Endenergie in Deutschland würden für Heizen und Warmwasser in Gebäuden verbraucht, vor allem in Privathaushalten

  • 1990 bis 1996 ist der Verbrauch stark angestiegen

  • durch die Modernisierung an den Gebäudeaußenwänden und durch effizienteres Heizen sei eine Trendwende geschafft worden

  • der CO2-Gebäudereport zeige, dass durch energetische Sanierungen und Neubauten in Deutschland bis 2020 bis zu 50 Milliarden Euro Heizkosten gespart werden könnten

  • in einem mit 30.000 Euro sanierten Einfamilienhaus können pro Jahr rund 2.500 Euro Heizkosten eingespart werden

  • die Kosten für Heizwärme seien zwischen 1996 und 2006 im Durchschnitt um über 40 % angestiegen

Bei dem zitierten CO2-Gebäudereport handelte s sich um das Dokument "CO2-Gebäudereport 2007. Kurzfassung" im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), erstellt von co2online gemeinnützige GmbH und Fraunhofer-Institut für Bauphysik, ohne Datum (die PDF Datei erstellt am 26.11.2007).

:: Der CO2-Gebäudereport 2007

 Auf Seite 1 unten heißt es: "[Die Langfassung des Berichts ist in Kürze als Broschüre sowie unter www.bmvbs.de erhältlich.]".




Bildschirmabdruck vom 16.02.2008
Es ist nur die Kurzfassung erhältlich.

Ein Vierteljahr später ist die Langfassung noch nicht erhältlich, das mag daran liegen, dass der Normalbürger unter "in Kürze" etwas ganz anderes versteht als die Ministerialen. Wie dem auch sei, über kurz oder lang wird die Langfassung da sein - oder auch nicht.

Dafür wird über eine neue "Kampagne" berichtet.


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Tiefensee stellt neue Kampagne zur Sanierung von Gebäuden vor

Heute hat Bundesminister Tiefensee die neue Kampagne zur CO2-Gebäudesanierung in Berlin vorgestellt. Überdimensionale Litfaßsäulen mit der roten Strickmütze als Symbol der Kampagne werben von nun an in Deutschlands Städten für die Sanierung von Gebäuden, um Energie, Emissionen und letztlich Geld zu sparen.

"Das CO2-Gebäudesanierungsprogramm ist außerordentlich erfolgreich: In 2006 und 2007 konnten damit mehr als 400.000 Wohnungen umfassend energetisch saniert werden", zog Tiefensee Bilanz.

Hinzu kommen mehr als 108.000 energetisch hochwertige Energiespar- oder Passivhäuser und Gebäude, die mit erneuerbaren Energien beheizt werden. "Mit den 2006 und 2007 geförderten Investitionen erreichen wir eine Einsparung von rd. 1,6 Millionen Tonnen Kohlendioxid, und das jedes Jahr über einen Zeitraum von durchschnittlich 30 Jahren Nutzungsdauer".

Positive Effekte haben die Förderprogramme auch auf den Arbeitsmarkt: Jede in die Gebäudesanierung investierte Milliarde Euro schafft oder sichert rund 25.000 Arbeitsplätze.

2007 wurde das CO2-Gebäudesanierungsprogramm um die Programme Kommunalkredit und Sozial Investieren für Schulen, Turnhallen, Kindergärten und Gebäude der Jugendarbeit erweitert. Zur sozialen Infrastruktur gehören deutschlandweit unter anderem ca. 40.000 Schulen, ca. 48.000 Kindergärten, Kindertagesstätten und Krippen sowie mehrere zehntausend (Schul-) Turnhallen. Über die Hälfte dieser ca. 150.000 Gebäude gilt als dringend energetisch sanierungsbedürftig. Dadurch wird teure Energie verschwendet. Vor allem Schulen der 60er und 70er Jahre sind betroffen. Nach dem Bildungsbericht 2003 beklagen die Schulleitungen, dass sich ca. 50 Prozent der Schulgebäude in schlechtem Zustand befinden. Ähnliches gilt für Kindertagesstätten und Jugendfreizeitheime.

Städte und Gemeinden in schwieriger Haushaltslage können sich am CO2-Gebäudesanierungsprogramm bisher nicht im nötigen Umfang beteiligen, weil sie dringend notwendige energetische Sanierungen nicht allein mit Darlehen finanzieren können. Die Bundesregierung unterstützt deshalb die energetische Sanierung sozialer Infrastruktur insbesondere in Kommunen in "schwieriger" Haushaltslage mit Investitionszuschüssen, damit der in den letzten Jahren aufgelaufene Sanierungsstau in solchen Kommunen aufgelöst werden kann. Die Bundesregierung hat dazu mit den Ländern und den kommunalen Spitzenverbänden einen "Investitionspakt Bund-Länder-Kommunen zur energetischen Erneuerung der sozialen Infrastruktur" geschlossen.

Der Bund stellt für den Investitionspakt im Jahr 2008 Mittel in Höhe von 200 Millionen Euro bereit. Zusammen mit den Anteilen der Länder und Gemeinden beträgt das Finanzvolumen 600 Millionen Euro. Damit könnten rein rechnerisch etwa 600 Schulen oder 1.200 Kindergärten energetisch saniert werden. Die Träger der Einrichtungen, die Kommunen selbst, profitieren davon langfristig durch deutlich reduzierte Rechnungen für den Energieverbrauch. Der Investitionspakt ist bisher auf ein Jahr begrenzt, die Sanierungsprojekte können aber über einen Zeitraum von 5 Jahren bis 2012 durchgeführt werden.

"Ich werde mich bei der Aufstellung des Bundeshaushalts 2009 für eine Fortsetzung des Investitionspaktes einsetzen", so Tiefensee.

Fördermittel aus den von der KfW aufgelegten, verschiedenen Förderprogrammen - "CO2-Gebäudesanierung", "Wohnraum Modernisieren (ÖKO-PLUS-Variante)" und "Ökologisch Bauen" sowie den seit 1.1.2007 für den kommunalen Bereich aufgelegten Programme "Sozial Investieren - Energetische Gebäudesanierung" und "KfW-Kommunalkredit - Energetische Gebäudesanierung" - können Privatpersonen und gemeinnützige Träger der Einrichtungen über ihre Hausbank beantragen, Kommunen wenden sich direkt an die KfW. Umfassende Informationen zu den einzelnen Förderprogrammen und zur Beantragung der Mittel finden Sie auf der Website der KfW.

Pressemeldung BMVBS
11. Februar 2008, Nr:: 18/2008

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Ein paar Monate später wird - mal wieder - eine Kampagne (im 17. Jahrhundert in der Bedeutung von "Feldzug" in die deutsche Sprache übernommen) angedroht. Diesmal werden wieder Beträge verschleudert - für Litfaßsäulen, wie im Bild oben zu sehen: bemützte und beklebte Hohlkörper zur Aufstellung auf dem öffentlichen Straßenland zum Zwecke der Werbung, Beeinflussung, Propaganda. Herr Tiefensee, im Bild ohne rote Strickmütze, hat in seinem Ministerium offenbar genug Geld für den nächsten Feldzug in der Schatulle.

Gegen wen richtet sich dieser neue Feldzug? Man muss ja nicht so bösartig sein und unterstellen, dass es gegen den Verbraucher ginge. Gehen wir davon aus, dass es gegen den Energieverbrauch geht, und nicht darum, dem deutschen Michel noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen.

Was sind die wichtigsten Aussagen?

  • das CO2-Gebäudesanierungsprogramm sei außerordentlich erfolgreich: in 2006 und 2007 sollen damit mehr als 400.000 Wohnungen umfassend energetisch saniert worden sein

  • jede in die Gebäudesanierung investierte Milliarde Euro schaffe oder sichere rund 25.000 Arbeitsplätze


Betrachten wir im Folgenden die Aussagen bzw. Behauptungen des Herrn Tiefensee etwas näher..


das CO2-Gebäudesanierungsprogramm sei außerordentlich erfolgreich: in 2006 und 2007 sollen damit mehr als 400.000 Wohnungen umfassend energetisch saniert worden sein


Wie Herr Tiefensee auf die 400.000 Wohnungen kommt, ist ungewiss. Quellen lassen sich hierfür nicht finden. Aber vielleicht wird die Quelle ja noch angegeben. Und wenn nicht: Erfolge lassen sich auch gut schätzen. Die Zahlen aus den Meldungen der KfW-Förderbank stützen diesen Umfang nicht, zumal davon auszugehen ist, dass ohne Förderung eher nicht "umfassend energetisch saniert worden" ist.

Vom Vertrauensniveau abgesehen, stellt sich die Frage, woran man den Erfolg von Programmen misst. Nun ist ja per se nichts Schlechtes dran, wenn mehr als 400.000 Wohnungen umfassend energetisch saniert wurden. Genügt das als Gradmesser des Erfolgs? Steht nicht vordergründig die Frage im Raum,. was die umfassende energetische Sanierung dieses Wohnungsbestandes genutzt hat?

Eine Antwort hierauf scheint mit viel Spekulationen behaftet zu sein. Letztendlich kommt man zum volkswirtschaftlichen Rahmen und da lässt sich eine recht simple Frage aufwerfen: was haben milliardenschwere Investitionen in den Gebäudebestand über 15 Jahre gebracht? Dabei ist zu bedenken, dass diese Maßnahmen durch beständig "verschärfte Anforderungen" an das Neubauniveau (Wärmeschutzverordnungen, Energieeinsparverordnungen) flankiert wurden. Dazu kommen wir noch.


jede in die Gebäudesanierung investierte Milliarde Euro schaffe oder sichere rund 25.000 Arbeitsplätze

Diese Behauptung ins Blaue hinein ist eine Legende, die oft zitiert bzw. wiederholt wird. Leider wird daraus keine Wahrheit. Seit Jahren gehen die Beschäftigtenzahlen in der Baubranche zurück, daran hat auch ein leichter Umsatzzuwachs nichts geändert. Aber auch bei den Malerbetrieben (die WDVS anbringen) lassen sich keine Zunahmen erkennen.

Im Bauhauptgewerbe ging die Zahl der Beschäftigten von 2005 zu 2006 zurück (ca. -8.300 Beschäftigte), bei den Malerbetrieben nahm sie um 3.000 zu. Das ergibt per saldo über 5.000 Arbeitsplätze weniger und dieser Betrag liegt deutlich unter den angegebenen 275.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen, die aus 11 investierten Milliarden Euro hätten entstehen sollen.

:: Gabriel: 50% sind üblich, bis zu 90% realistisch

Jetzt, wo von geschaffenen Arbeitsplätzen nicht die Rede sein kann, reduzieren wir diese Behauptung auf die Sicherung der Arbeitsplätze. Da die KfW von gestiegenen Förderbeträgen berichtet, muss die Arbeitskräftesituation am Bau einschließlich Baunebengewerbe das Ergebnis gegenläufiger Tendenzen sein. Wenn die zitierten Investitionen in die energetische Sanierung tatsächlich 275.000 Arbeitsplätze geschaffen hat, dann müssen andere Faktoren dafür gesorgt haben, dass fast 280.000 Arbeitsplätze vernichtet wurden.

Eine mehr oder weniger kluge und vorausschauende Wirtschaftspolitik der Bundesregierung ist solch ein Faktor. Die Abschaffung der Eigenheimzulage hat, entgegen allem Gerede zur Beschönigung, die Talfahrt im Baugewerbe eher beschleunigt. Andererseits haben die Energiekonzerne 10 Milliarden Euro allein in 2006 geschenkt bekommen.


40 % der Endenergie in Deutschland würden für Heizen und Warmwasser in Gebäuden verbraucht,
vor allem in Privathaushalten

Die letzten Daten hierzu liefert das Energieflussbild der Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) für 2006, welches im Oktober 2007 veröffentlicht wurde. Demnach ergibt sich folgendes Bild: Der Endenergieverbrauch der Haushalte beträgt 28,6% des gesamten Endenergieverbrauchs. Die Umwandlungsverluste betragen 38,3% des gesamten Endenergieverbrauchs (24,6% vom Primärenergieverbrauch). Die Umwandlungsverluste betragen das 1,34-fache des Endenergieverbrauchs der Haushalte.

87-88 % des Endenergieverbrauchs der Haushalte werden für Heizung und Warmwasser aufgewendet, das ergibt hierfür rd. 26% vom Endenergieverbrauch insgesamt. Deshalb muss die Behauptung, 40 % der Endenergie in Deutschland würden für Heizen und Warmwasser in Gebäuden verbraucht, nicht falsch sein. Diese 40 % können zutreffen, wenn man den Aufwand für Heizen und Warmwasser in allen Gebäuden zusammenrechnet, d.h. von den Sektoren Industrie, Verkehr, Haushalt und Gewerbe/Handel/Dienstleitungen.


Bringt man diese Zahl mit den haushalten in Zusammenhang ("vor allem in Privathaushalten"), entsteht ein falsches Bild. Das ist auch so gewollt: dem deutschen Michel soll eine Schuld eingeredet werden, er verbrauche zuviel Energie ("vor allem in Privathaushalten"). Wer sich schuldig fühlt, lässt sich bereistwilliger das Geld aus der Tasche ziehen.

:: Energieflussbild 2006 (AGEB)
:: Zum Anteil der Haushalte am Energieverbrauch


1990 bis 1996 ist der Verbrauch stark angestiegen + durch die Modernisierung an den Gebäudeaußenwänden und durch effizienteres Heizen sei eine Trendwende geschafft worden




Die Grafik zum Endenergieverbrauch der Haushalte zeigt uns, dass es seit 1996 einige Trendwenden gegeben hat - sowohl nach unten als auch nach oben. Die Trends nach unten sind sicher der guten Politik der Bundesregierung zuzuschreiben, die Trends nach oben dem Nutzerverhalten.



Angesichts der Kenngrößen, die hier in ihrer relativen Entwicklung aufgezeigt sind, fällt die Zuweisung einer Korrelation schwer. Beide Grafiken aus: :: Wie man mit Statistik Energie einspart



Bild 21: Grafik zu den Werten aus Tabelle 8: erstaunliche Zunahme
             in der Statistik des BMWi zur Wohnfläche innerhalb von 5 Monaten
[1]

Über die wundersame Mehrung der Wohnfläche als Bezugsgröße für den spezifischen Endenergieverbrauch wird in [1] berichtet. Schon allein dieser Schritt brachte eine spürbare Verbesserung beim spezifischen Endenergieverbrauch. Auch dies ist ein gelungenes Beispiel dafür, wie man mit Statistik Energie einspart. Doch egal, ob es nun 5 oder 10 % oder wie viel auch immer % Verringerung beim spezifischen Endenergieverbrauch der Haushalte in 15 Jahren sind, es ist kein Erfolg, an dem man sich berauschen möchte. Letztendlich waren es die statistischen Fehler, die zunehmende globale Erwärmung und die gestiegenen Energiepreise, die zu dieser Senkung geführt haben.

:: Wie man mit Statistik Energie einspart


der CO2-Gebäudereport zeige, dass durch energetische Sanierungen und Neubauten in Deutschland bis 2020 bis zu 50 Milliarden Euro Heizkosten gespart werden könnten

Nein, das zeigt der Report nicht. Das ist eine Behauptung ins Blaue hinein, die nur durch die Formulierung "werden könnten" relativiert wird. Solche Zahlenspielereien ohne handfeste Grundlage sind nicht dazu geeignet, die Problematik von Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit mit dem gebotenen Ernst zu behandeln. Noch dazu: was sind 50 Mrd. in 12 Jahren? 4,17 Mrd. p.a. Und welche Investitionen stehe dem gegenüber?

Hierzu steuerte im April der Bau- und Energiesparexperte Gabriel folgende Botschaft bei: "Im Jahr 2006 wurden 265.000 Wohnungen und Eigenheime saniert. Für gedämmte Wände und Dächer, dichte Fenster und neue Heizungsanlagen konnten gemeinsam mit der KfW-Förderbank 1,5 Milliarden Euro für die Verbilligung von Krediten und für Tilgungszuschüsse zur Verfügung gestellt werden. Damit konnten Kredite von 9,4 Milliarden Euro zugesagt und insgesamt Investitionen in Höhe von 11 Milliarden Euro ausgelöst werden."

:: Gabriel: 50% sind üblich, bis zu 90% realistisch

Die Abstimmung von Hurra-Daten zwischen den beiden Ministerien scheint nicht so recht zu funktionieren. 11 Mrd. Investition zu 4,17 Mrd. Einsparung, das ist ein eher bescheidener Erfolg. Wirtschaftlichkeit ist durch das Verhältnis von Aufwand zu Nutzen definiert.


in einem mit 30.000 Euro sanierten Einfamilienhaus können pro Jahr rund 2.500 Euro Heizkosten eingespart werden

Hierzu ist eine Betrachtung der Grafik 4 nützlich. Es geht um Grafik 4 des Reports: Mittlere Endenergiebedarfswerte (Heizung plus Warmwasser) der frei stehenden Einfamilienhäuser und der kleineren Mehrfamilienhäuser unterschiedlicher Baualtersklassen in Deutschland, Stand 2005, Quelle: Fraunhofer Institut für Bauphysik

Sie suggeriert, dass der Energieverbrauch mit zunehmendem Baujahr sinke. Das soll heißen, je neuer ein Gebäude, desto geringer der Verbrauch. Dies wird auf die jeweiligen energetischen Standards der Gebäude zurückgeführt (WSchV, EnEV). Die Sache hat nur einen Haken: die Grafik zeigt „Mittlere Endenergiebedarfswerte“ – diese haben mit dem tatsächlichen Verbrauch nichts zu tun. Das bedeutet, die Grafik vom Fraunhofer IBP ist reine Theorie.

Theoretisch lässt sich dann trefflich Energie einsparen. man muss nur den Altbaubestand schlecht und die neuen Gebäude schön rechnen. Mit der U-Wert Theorie geht das wunderbar, dazu etwas Zahlenakrobatik zum so genau gar nicht bekannten bestand - und fertig sind die sensationellen Erfolge. dabei sind Verbrauchswerte allemal ehrlicher und realitätsnäher als

:: Der CO2-Gebäudereport 2007

Im Januar 2003 hat Prof. Hauser im Ergebnis seiner Untersuchungen dargelegt, dass die Berechnungsverfahren der Normen keine realistische Einschätzung der Feuchte- und Wärmebilanz von Bauteilen erlauben. Das weiß man auch im Fraunhofer IBP.

:: Unrealistische Bilanzeinschätzung von Feuchte und Wärme nach Norm

Dass in einem mit 30.000 Euro sanierten Einfamilienhaus pro Jahr rund 2.500 Euro Heizkosten eingespart werden können, ist nicht in Abrede zu stellen. Genauso gut kann es aber sein, dass nur 500 Euro eingespart werden. Macht man dann dafür den Bewohner mit seinem politisch unkorrekten Nutzerverhalten verantwortlich?


die Kosten für Heizwärme seien zwischen 1996 und 2006 im Durchschnitt um über 40 % angestiegen

Das ist eine traurige Tatsache, bei der es um ein paar Prozent weniger nicht ankommt. Was dabei eine beachtliche Rolle spielt, ist der Anteil am Kuchen, den sich Vater Staat abschneidet. So betrugen in 2006 stolze 28% des Erdgaspreises Steuern und Abgaben. Vater Staat hat die Belastung der Strompreise seit 1998 fast versechsfacht (x6 = +500%). Laut FAZ vom 30.06.2006 beträgt in Deutschland der Steueranteil am Endverbraucherpreis bei Heizöl rund ein Viertel, bei Benzin sind es sogar 70 Prozent. Bekanntlich ist (auch) hier, eine zunehmende Tendenz gegeben.

:: 28% des Erdgaspreises sind Steuern und Abgaben
::
Der Staat kassiert beim Strom kräftig mit
mehr Informationen bei richtigbauen.de:
:: Energie: Kosten und Preise

Fazit: wenn Wunschträume und Propagandafloskeln Fakten und Tatsachen verdrängen, ist ein ernsthaftes Behandeln des wichtigen Themas "Energiesparen im Bestand" unmöglich. Am Ende bleibt die Frage: Cui bono?


Querverweis:

[1]  "Höherer Energieverbrauch trotz Effizienzsteigerungen. Über Grenzen und Fiktionen des Energiesparens im Wohnbereich. Daten, Fakten, Propaganda und Wunschträume", von Dipl.-Ing. M. Bumann, DIMaGB, Berlin, 20.01.2008, 26 Seiten, mit zahlreichen Bildern und Tabellen

M. Bumann
DIMaGB, Berlin
16.02.2008

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ENERGIE - SCHWINDEL - SCHWEIZ
Mit verbundenen Augen auf dem falschen Dampfer

Vor 10 Jahren erschien zwischen Juni und November 1996, eine Artikelserie in der Monatszeitung “Der Hausbesitzer”, einem Mitteilungsorgan des Hausbesitzervereins Basel und des Hauseigentümerverband Baselland. Die Berichte geben Auskunft über die Unwirksamkeit der Schweizerischen und Kantonalen Energie-Gesetze sowie Energie-Vorschriften, insbesondere der “Verbrauchsabhängigen Heizkostenabrechnung VHKA.” Unter dem Titel: “Mit verbundenen Augen auf dem falschen Dampfer”, wurden die Berichte zusammengefasst, mit Grafiken, Dokumenten und Gegendarstellungen der VHKA-Befürworterseite ergänzt sowie mit einer abschließenden Expertenmeinung versehen. Die Schrift wurde seinerzeit in mehreren 100 Exemplaren in der ganzen Schweiz an Ämter und Energiefachleute verschickt.

Da sich seitens der Behörden in Sachen Energiespar-Vorschriften nichts geändert hat und noch die gleichen Fehler wie vor 30 Jahren gemacht werden, ist es sicherlich sinnvoll, erneut den Finger auf den wunden Punkt zu legen.

Vor allem das Amt für Umwelt und Energie (AUE), das damalige Amt für Energie und technische Anlagen (AET) des Baudepartementes Basel-Stadt, sorgte mit seiner “privat” entwickelten Energie-Doktrin dafür, dass ein Viertel der ärmeren Bevölkerung in Basel zur Kasse gebeten wurde. Der Unfug mit der VHKA, welcher nur den Messgerätlein-Verkäufer und den Abrechnungsfirmen nützt, geht zum Schaden der Bevölkerung munter weiter!

Kommentar:
eine gelungene und zugleich erschreckende Dokumentation des stattlich sanktionierten Wahnsinns. Man darf allerdings nicht glauben, es handele sich um ein spezielles schweizerisches Problem. Diese organisierte Abzocke hat Methode und sie ist in Deutschland nicht weniger ausgeprägt.

Zieladresse:
http://forum.paul-bossert.ch/2006/09/22/energie-schwindel-schweiz/
Dokumentation als PDF (5,1 MB)
http://forum.paul-bossert.ch/wp-content/uploads/2006/10/hbv-1996.pdf

22.09.2006

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