Projektreport HEBB
Wärmebrückenbildung bei innen liegender Wärmeisolierung und beim Dachgeschoßausbau
von Peter Rauch
Bei der Planung der Verbesserung des Wärmeschutzes sollte immer von einer äußeren
Wärmeisolierung ausgegangen werden. Die Gefahr von Wärmebrückenbildung ist so am
geringsten. Dabei sollten alle Bauteile, wie Außenwände, Keller und Dach, möglichst
gleichmäßig isoliert werden. Eine Superdämmung an einem Bauteil ist unsinnig. Die mit
der notwendigen Lüftung entstehenden Lüftungswärmeverluste sollten in einem
wirtschaftlichen Verhältnis zum Transmissionswärmeverlust liegen.
Bei allen Sanierungsmaßnahmen sollte eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung erfolgen, die
verschiedene Maßnahmen und Varianten beinhalten. Zum Beispiel ist bei einer
Altbausanierung, vor allem wenn das Gebäude unter Denkmalschutz steht, im wesentlichen
nur eine innen liegende Wärmeschutzverbesserung möglich. Dazu gehören auch die
Dachgeschoßausbauten. Welche wesentlichen Probleme auftreten können, sollen in den
nachfolgenden Punkten an diskutiert werden.
| Schwachstellen und Wärmebrücken in Gebäuden, die infolge Abkühlung
zu Tauwasserniederschlag führen können |
| Beschaffenheit des Gebäudes |
konstruktiv
vorhanden |
konstruktive
Veränderungen |
Nutzung |
- Bauwerksöffnungen
- ungenügende Außendämmung
- unbeheizte Räume
- feuchte Baustoffe
- Materialanordnung
- Kanal und Schächte
- Leitungsführungen
- geometrisch bedingte Wärmebrücken
- Vorsprünge, Balkone
- Deckenaufleger
- Stützen
- Rollladenkästen
- Kellerdecken und Kellerwände
- unbelüftbare Räume
|
- Innendämmung
- Innenisolierung
- teilweise Außendämmung
- luftdichte Fenster
- Schwachstellen beim Dachstuhlausbau
- Wintergärten, Erker
- Bauschäden an Gebäudehüllen
- undichte Dampfsperren und Durchfeuchtung der Dämmstoffe
|
- Möblierung
- Wandverkleidungen
- falsche Lüftung
- Heizkörperanordnung
- ungenügende Heizung
|
Wärmebrücken
Wärmebrücken entstehen an kritischen Stellen in Gebäuden. Das sind kalte
Oberflächen, die meist durch materialspezifische Eigenschaften verursacht werden. Diese
werden durch die Struktur und Dichte bestimmt, die verantwortlich für die
Dämmeigenschaft (Wärmeleitfähigkeit) ist. Beton, Stahlbeton und Metalle sind gute
Wärmeleiter und kühlen daher schneller ab.
Nachdem die konstruktiven Schwachstellen genannt wurden, soll auf eine natürliche
Erscheinung hingewiesen werden, die oft unterschätzt wird. In jedem Raum ist eine
Luftwalze:
-
Warme Luft bewegt sich auf Grund ihrer geringsten Dichte nach oben, und bei ihrer
Abkühlung sinkt sie wieder nach unten. Bei der Abkühlung nimmt die relative
Luftfeuchtigkeit zu. Wird ein Bauteil mit wesentlich niedrigerer Oberflächentemperatur
angeströmt, so wird an dieser Stelle die relative Luftfeuchtigkeit sehr hoch, und es kann
im Extremfall zum Feuchtigkeitsausfall kommen. Nachfolgend sollen spezielle Fälle
dargestellt werden. Werden z.B. Möbel, große Wandbilder, Vorhänge und andere
Einrichtungsgegenstände an einer kalten Wandoberfläche aufgestellt bzw. vorgehängt, ohne
dass die Wandflächen durch den Luftstrom hinreichend erwärmt werden können, so kann
sich dahinter Schimmelpilz bilden. Hier wirken meist zwei Kriterien. Es kommt nur sehr
wenig Raumluft zwischen die Einrichtungsgegenstände, diese kühlt so stark ab, dass es
zum Feuchtigkeitsausfall kommt. Diese Feuchtigkeit trocknet nicht. Dieses Problem kann man
besonders bei Wandverschalungen beobachten. In einem Praxisfall war die Schrankwand an
ihrer Rückwand bereits nach 4 Jahren total verfault. In diesem Fall war sicherlich auch
im Winter der Frostpunkt bis in den Schrank gewandert. Das Problem kann durch ausreichende
Hinterlüftung behoben werden. Der Schrank wird von der kalten Wand vorgezogen, und an der
Vorderseite werden Lüftungsschlitze angebracht. Vorhänge sollten nicht bis in die kalte
Zimmerecke und durchgehend (Boden-Decke) angehängt werden. Es ist grundsätzlich falsch,
eine feuchte Wand mit einer Verschalung "zu tarnen", ohne die Ursachen zu
beseitigen.
Innendämmung
Durch die Innendämmung steigt die Oberflächentemperatur an der Zimmerwand, jedoch
kühlt das gedämmte Bauteil hinter der Innendämmung mehr ab als ohne. Infolge begrenzter
Bauteile im Inneren (Wände, Decke, Böden) kann die Innendämmung nur teilweise
ausgeführt werden. Durch die anzubringende Dampfsperre soll der Dämmstoff vor der
Feuchtigkeit aus der Raumluft geschützt werden, da sonst die Dämmwirkung sehr stark
gemindert wird. Die Mineralfaser können auf Grund ihrer vielen Hohlräume sehr viel
Wasser aufnehmen. Durch die Dampfsperre wird jedoch die Sorption (Fähigkeit der
Baustoffe, Wasserdampf aufzunehmen und wieder abzugeben) verhindert, und es kann bei
Spitzenbelastungen der Raumluftfeuchtigkeit schneller zu Tauwasserbildung kommen.
Das DACH hat in seiner ursprünglichen Funktion die Aufgabe des Wetterschutzes. Im
nicht ausgebauten Dachraum können Schäden an der Dachhaut sehr gut kontrolliert werden.
(Grundsätzlich sollten Holzteile von mindestens drei Seiten kontrollierbar sein, um
eventuelle Holzschäden zu erkennen.) In der Regel verfügen solche Dächer über eine
ständige Querlüftung (von Giebel zu Giebel). Kleine Mengen eintretender
Niederschlagsfeuchtigkeit oder Kondenswasserbildung unter der Dachhaut werden durch diesen
Luftstrom abgelüftet und sind damit unproblematisch. Verschiedene Zwänge führen zum
Ausbau der Dachgeschosse auch zu Wohnzwecken. Neben der Einschränkung der Sichtkontrolle
des Zustandes der Dachhaut, wodurch kleine Schäden unbemerkt bleiben, können eine Reihe
möglicher Wärmebrücken zu Feuchtigkeitsbildung an den Innenwänden in ausgebauten
Dachgeschossen führen. Der Dachausbau ist seinem Wesen nach eine Innendämmung mit allen
Kriterien, die dabei wirksam werden können.
Es ist wichtig, ein durchgängiges System (Fläche) zu erreichen. In der Praxis werden
jedoch Pfettendächer mit Gauben ausgebaut. Hier sind extra die Pfosten, Kopfbänder,
Doppelzangen und die Mittelpfette richtig einzubinden. Bei dieser Konstruktion ist eine
Fugendichtheit nur über einen sehr großen Aufwand möglich.
Fugendichtheit
Bei großflächigen Dachkonstruktionen gibt es im allgemeinen kaum Probleme, um eine
Luftdichtheit zu erreichen.
Jedoch bestehen die Dächer auch aus kleinteiligen Elementgrößen, so dass eine große
Zahl an Fugen entstehen kann. Die Herstellung einer luftdichten Innenwand im ausgebauten
Dach bedingt daher einen erhöhten planerischen und handwerklichen Aufwand, welcher
allgemein sehr unterschätzt wird. Neben Wärmeverlusten durch Wärmebrückenbildung
bewirkt auch der Luftdurchsatz durch die Fugen in Außenbauteilen erhebliche
Wärmeverluste, die die Transmissionswärmeverluste übersteigen können. Bei diesem
Transport wird die Luft abgekühlt, und es kommt zur Kondensatbildung (Tauwasser). Es kann
rechnerisch die Tauwassermenge bestimmt werden, die sich bei einer defekten bzw. fehlenden
Dampfsperre bilden kann. Das können unter Umständen einige Kilogramm Wasser auf den
Quadratmeter werden. Über den Sommer kann dies wieder abtrocknen. Pohl und Horschler (2)
haben dieses Problem näher betrachtet. Eine Fuge mit einer Breite von 2 mm, einer Tiefe
von 100 mm und einer Länge von 1,00 m und einer Druckdifferenz von nur 6 PASCAL
(Windstärke 2) ergeben einen Luftvolumenstrom von ca. 15 m3/m h. Wird dies auf
die Dimension des k-Wertes übertragen, so tritt bei einer Fuge von 1 m Länge, ein
Lüftungswärmeverlust von ca. 5W/m2K auf. Bei einem gedämmten Dach mit einem
k-Wert von 0,2W/m2K bedarf es keiner weiteren Diskussion. Daneben werden bei
einer Lufttemperatur von 20 Grad Celsius mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von 50%
durch die o.g. Fuge pro Stunde ca. 130g/Wasserdampf in das Außenteil transportiert.
Feuchtigkeitsschäden sind zwangsläufig die Folge.
Nur über eine konsequente Planung aller Anschlussbereiche und eine gewissenhafte
Ausführung kann eine annähernde Luftdichtheit erreicht werden.
Die Herstellung der Luftdichtheit in der Fläche bereitet in der Regel keine
Schwierigkeiten. Besondere Probleme treten bei Bauteilen auf, welche die luftdichte
Schicht durchdringen, wie z.B. Schornsteine, Wechsel von Dachschräge in ein Kniestock,
Dachflächenfenster, Lüftungsleitungen, Heizungsanschlüsse u.a. Auf diese Probleme soll
im folgenden Punkt eingegangen werden. Wärmebrücken entstehen an der Firstpfette,
Mittelpfette und Fußpfette. Das Isoliermaterial kann in vielen Fällen nicht luftdicht
hinter die Balken geschoben werden, ohne die Hinterlüftung zu unterbrechen. Die
Sparrenpfettenanker verursachen zusätzliche Unebenheiten. Werden die scharfen Kanten
nicht umgeschlagen (Veränderung der statischen Festigkeit des Bauteils), so wird die
Folie zerstochen. Ein weiterer Problempunkt ist die Zwischenwand auf dem Dachboden.
Solange eine einigermaßen gerade verputzte Wand vorhanden ist, kann mit einer Dachlatte
und Dichtungsband die Folie luftdicht angeschraubt werden. Aber ungeputztes Mauerwerk hat
teilweise Unebenheiten von mehreren Zentimetern, und dieses ist nicht ohne weiteres
luftdicht zu verschließen.
Zusammenfassung
Unter der üblichen Dacheindeckung aus Dachziegel oder Dachsteinen ist eine
zusätzliche, wasserableitende Schicht in Form einer Unterspannbahn einzubauen. Die
Unterlüftung ist durch den Einbau von Konterlatten herzustellen. Zwischen dem Unterdach
und der Wärmedämmung ist in der Planung eine Luftschichthöhe von 4 bis 5cm vorzusehen.
Die vorgesehene Mindesthöhe von 2cm für die Be- und Entlüftung kann eventuell durch
Plustern oder Verrutschen der Dämmung geschlossen werden, und ein
Feuchtigkeitsabtransport durch Diffusionsbelastung oder Niederschlag kann nicht erfolgen.
Die Dampfsperrschichten sind nur dann als Windsperre geeignet, wenn sie im Bereich von
Stößen und Anschlüssen absolut luftundurchlässig ausgebildet werden. Ansonsten kommt
es zu Zugerscheinungen, Temperaturabsenkungen mit erhöhten Heizaufwendungen,
Durchfeuchtung der Wärmedämmung und im Extremfall zu Wassereintritt nach innen.
Literatur:
- (1) Bieberstein, Horst: Schimmelpilzbildung in Wohnräumen - was tun?, Omega Verlag 1989
- (2) Pohl, W.-H., Horschlor, S.; Novellierung der Wärmeschutzverordnung;, Auswirkungen
auf die Planung und Ausführung im Bereich des Daches, Deutsche Bauwirtschaft 2/94
S.99-103
- (3) Dahmen, Günter; Vortrag, Sanierungsmaßnahmen an geneigten Dächern, Institut für
Sachverständigenwesen e.V., 11.1.93 in Leipzig
Autor: Peter Rauch
::
www.ib-rauch.de
Leipziger Bauführer Jahrbuch 1995 Seite 124 ff.
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Literaturtipp:
"Nachträgliche Wärmedämmung von Dachgeschossdecken"
Bei dem vom BMVBW herausgegebenen Heftchen handelt es sich um einen
Forschungsbericht. Zwar ist mir schleierhaft, was es hier zu forschen gibt
- aber egal, eine für den Laien gute Zusammenstellung ist es allemal. "Der
Forschungsbericht wurde mit Mitteln des Bundesamtes für Raumwesen und
Raumordnung gefördert. Die Verantwortung für den Inhalt des Berichtes
liegt beim Autor" steht im Impressum.
Man kann feststellen, dass der Autor seiner Verantwortung nachkommt: es
wird nicht der übliche Bauphysik-Hokuspokus zelebriert und für die
Klima-Mär verschwendet man nur 6 Zeilen einer Spaltenbreite. Den
Spargedanken stellt man dem hehren Ziel der Klimarettung zumindest gleich,
wobei der Schwerpunkt tatsächlich in der Betrachtung technischer Belange
liegt.
Ein wichtiges Thema wird im Kapitel 6.1 behandelt: "Wie viel Wärmedämmung
ist sinnvoll?" Man lese und staune: "Die Ausführung extremer
Dämmstoffdicken ist nicht sinnvoll. Ab ca. 20 cm Dicke führt dies zu einem
ungünstigen Verhältnis zwischen den entstehenden Mehrkosten und den
möglichen Einsparungen." der informierte Bauherr weiß, dass es sich um die
von Prof. Meier bereits vor Jahren beschriebene "Hyperbel-Tragik" handelt,
die die U-Wert-Fetischisten bis heute nicht begriffen haben.
Werden doch hier tatsächlich mal wirtschaftliche Gesichtspunkte betrachtet
und der Leser wird mit dem üblichen Superdämmungs-Geschwafel verschont.
Bliebe zu wünschen, dass man sich im BMVBW aufrafft und den Autor, Prof.
Dr. Ing. R. Oswald, mit einem Forschungsbericht zu Passivhäusern
beauftragt. Denn dann müsste der ganze Beschiss auffliegen, denn "die
Ausführung extremer Dämmstoffdicken ist nicht sinnvoll".
Sie können das Heftchen, neben vielen anderen Broschüren, hier bestellen:
:: www.bmvbw.de
Toplinks!:
Sie können mehr zum Thema wirtschaftliche Dämmstoffdicken erfahren:
hier.
Sie können mehr zum Thema "Wirtschaftlichkeit beim Bauen" erfahren:
hier.
18.08.2004
M. Bumann
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